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Gruppentherapie-Sitzung
Bildnachweis: istock.com/andreswd
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F-Diagnosen: Bedeutung, Nachteile und Auswirkungen für Versicherte

Das bedeutet F-Diagnose

Die F-Diagnose ist Teil des internationalen Systems zur Klassifikation von Krankheiten, dem ICD-10. Es ordnet Krankheiten Codes zu, damit Diagnosen einheitlich dokumentiert werden.

Das „F“ bezeichnet psychische Leiden und Krankheiten sowie Verhaltensstörungen.  Dazu gehören beispielsweise Depressionen, Angststörungen oder Burnout. Auch ADHS fällt in diese Kategorie, genauso wie Suchterkrankungen.

Fachleute und Behandelnde nutzen die Klassifizierung, um Symptome besser zu verstehen und einzuordnen. Ziel ist es, passendere Behandlung zu finden, gezielte Therapien einzuleiten und das Wohlbefinden der Betroffenen zu verbessern.

Die Diagnosen stellen fachärztliche Personen für Psychiatrie oder Psychotherapie. Während erstere auf die Behandlung psychischer Erkrankungen spezialisiert sind, hilft die Psychotherapie mit Gesprächen sowie besonderen Methoden und Verfahren

Viele Menschen leben gut mit der Diagnose, meistern ihren Alltag und können weiterarbeiten. Beim Thema Versicherungen und Versicherungsabschluss kann eine F-Diagnose allerdings Folgen haben. Versicherungen stufen psychische Erkrankungen oft als erhöhtes Risiko ein, was sich auf Ihre Vertragsbedingungen auswirken kann.

ICD-10 (Internationale Klassifikation der Krankheiten, 10. Revision)

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Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen (z. B. Demenz)

Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (z. B. Alkohol- oder Drogenabhängigkeit)

Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen

Affektive Störungen (z. B. Depression, bipolare Störung)

Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen (z. B. Angststörungen, Zwangsstörungen, posttraumatische Belastungsstörung)

Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen (z. B. Essstörungen)

Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (z. B. Borderline-Persönlichkeitsstörung)

Intelligenzminderung

Entwicklungsstörungen (z. B. Autismus, Sprachentwicklungsstörungen)

Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend (z. B. ADHS)

F-Diagnose: Nachteile bei Versicherungen und Anträgen

Eine F-Diagnose kann es schwieriger machen, wenn Sie bestimmte Versicherungen abschließen möchten. Lebens-, Berufsunfähigkeits- und private Krankenversicherungen stufen psychische Erkrankungen oft als Risiko ein. Das bringt Nachteile mit sich und kann höhere Kosten oder sogar eine Ablehnung bedeuten. 

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Lebensversicherung  

Unter Umständen lehnen Versicherungen Anträge ab, beispielsweise weil sie ein höheres Sterberisiko vermuten. Andere bieten den Betroffenen Verträge mit höheren Beiträgen an, um dieses Risiko auszugleichen. Manche Policen und Tarife enthalten Einschränkungen beim Schutz und schließen bestimmte Erkranken und Todesursachen aus.  

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Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)  

Psychische Erkrankungen sind eine häufige Ursache für Arbeitsunfähigkeit. Deshalb schließen viele Versicherungen sie vom Schutz aus oder verlangen höhere Beiträge. Manche Anbieter nehmen Anträge gar nicht erst an, wenn eine F-Diagnose in der Krankenakte steht. 

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Private Krankenversicherung (PKV)  

Hier kann eine F-Diagnose ebenfalls Probleme bereiten. Manche Anträge werden grundsätzlich abgelehnt, weil die Versicherungen hohe Behandlungskosten befürchten. Andere Versicherungen schließen bestimmte Behandlungen aus, übernehmen diese also nicht, wenn sie mit einer psychischen Diagnose zusammenhängen. 

Unser Tipp

Besonders schwierig wird es, wenn die Diagnose noch aktuell ist oder gerade erst gestellt wurde. Versicherungen gehen dann oft von einem erhöhten Behandlungsbedarf aus. Aber auch nach einer abgeschlossenen Therapie bleibt die Diagnose bei der Gesundheitsprüfung relevant, weil Versicherungen Rückfälle befürchten.  

Welche Auswirkungen eine F-Diagnose auf den Beruf hat

Gesundheitsdaten fallen unter den Datenschutz. Eine psychische Diagnose kann dennoch Folgen für Ihr Berufsleben haben und Ihnen im Job Nachteile bringen. Denn auch wenn Betriebe keinen Einblick in Ihre Patientenakte oder Zugriff auf Diagnosen haben, gibt es Ausnahmen.

Bei Bewerbungen für bestimmte Berufe gibt es ärztliche Untersuchungen und Gesundheitsprüfungen. Sie sollen die gesundheitliche Eignung der Bewerber für die jeweilige Tätigkeit prüfen und sicherstellen.

Psychische Diagnosen spielen eine Rolle, wenn Berufe eine hohe Belastbarkeit und Stressresistenz erfordern. Das gilt zum Beispiel häufig für den öffentlichen Dienst und auch bei der Polizei gibt es strenge Eignungstests. Wer sich bei der Polizei bewirbt, muss zeigen, dass er mit Druck und schwierigen Situationen umgehen kann.

Verzweifelter Mann in Wartezimmer
Bildnachweis: istock.com/Prostock-Studio

Wie sich Nachteile bei einer F-Diagnose verringern lassen

1.

Ehrlichkeit ist wichtig und hilft Ihnen im Umgang mit der Versicherung. Beantworten Sie Gesundheitsfragen im Antrag genau und wahrheitsgemäß. Falsche Angaben können dazu führen, dass der Vertrag später aufgelöst wird. Versicherungen schauen im Leistungsfall genau hin und könnten prüfen, ob alle Angaben korrekt waren.  

2.

Ein Widerspruch kann sinnvoll sein, wenn eine Diagnose unklar oder veraltet ist. Eine zweite ärztliche Meinung schafft oft Sicherheit, weil Diagnosen subjektiv sein können. Und: Nicht jede Krankheit bleibt für immer bestehen. Nach einer erfolgreichen Therapie wird sie manchmal entfernt oder als nicht mehr relevant eingestuft.

3.

Nach einer abgeschlossenen Behandlung lohnt es sich, wenn Sie etwas warten. Wenn Sie einige Zeit ohne Behandlung bleiben, haben Sie bessere Chancen auf gute Versicherungsbedingungen. Viele Versicherungen bewerten Diagnosen nach einer bestimmten Zeit lockerer und weniger streng.  

4.

Eine professionelle Beratung hilft weiter. Personen, die Versicherungen vermitteln, kennen sich mit den Tarifen aus. Sie wissen, welche Unternehmen bei psychischen Diagnosen flexibler sind und mehr Spielraum lassen. Erfahrene Leute finden für Sie passende Angebote mit guten Konditionen – auch mit F-Diagnose.

Rechtlicher Schutz und Datenschutz bei einer F-Diagnose

Eine F-Diagnose ist vertraulich. Niemand darf sie ohne Ihre Zustimmung weitergeben. Medizinische und therapeutische Fachleute haben eine gesetzliche Schweigepflicht. Ihre Krankenakte bleibt ebenfalls privat und geschützt und unterliegt strengen Datenschutzregeln.  

Beim Ausfüllen eines Versicherungsantrags lohnt es sich, dass Sie genau hinschauen. Versicherungen benötigen genaue Angaben zu Ihrer Gesundheit, um das Risiko zu beurteilen. Doch einige Fragen beziehen sich mitunter nur auf bestimmte Zeiträume. Manchmal fragt die Versicherung nur nach Auskunft und Informationen über die letzten fünf Jahre. Ältere Diagnosen müssen Sie dann nicht angegeben.

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Unser Tipp

Lassen Sie sich im Zweifelsfall rechtlich beraten. So stellen Sie sicher, dass Ihre Angaben korrekt und vollständig sind.

Fazit: F-Diagnose: Nachteil oder Chance?

Eine F-Diagnose ist eine Chance, sich selbst besser kennenzulernen. Sie ermöglicht gezielte Unterstützung, beispielsweise durch eine Therapie oder Medikamente, welche Ihre Lebensqualität verbessern können. Eine Diagnose kann eine große Erleichterung sein. Sie kann Ihnen dabei helfen bestimmte Verhaltensweisen und Gefühle besser einzuordnen und zu verstehen.

Wenn Sie mehr über psychische Erkrankungen wissen möchten, findet auf Gesundheitsportalen wie beispielsweise gesundheitsinformation.de und icd.who.int zuverlässige und gut verständliche Inhalte.  Sie lesen dort Erklärungen zu den verschiedenen Krankheitsbildern, wie Depressionen oder Angststörungen. Zusätzlich gibt es auf den Seiten Informationen zu Behandlungsmöglichkeiten und Anlaufstellen, Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen.

Ein gutes Verständnis der eigenen Diagnose, Fachliteratur oder auch der Austausch mit Betroffenen hilft Ihnen, Unsicherheiten abzubauen und selbstbewusste Entscheidungen zu treffen. Und mit guter Vorbereitung und professioneller Unterstützung lassen sich auch viele der beschriebenen Nachteile in Hinblick auf Versicherungen ausgleichen.

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